12 Marshall Rosenberg Zitate und ihre heutige Bedeutung
Marshall B. Rosenberg ist bekannt für markante Zitate. Mit seiner Arbeit und dem Entwickeln der Gewaltfreien Kommunikation hat er weltweit für mehr Bewusstsein gesorgt, was die Kraft der Sprache betrifft. Er selbst war auch ein Freund der klaren Worte. Ich persönlich bin großer Fan von seinen Zitaten, weshalb ich im folgenden Artikel 12 meiner liebsten Marshall Rosenberg Zitate vorstellen werde.
1: “Depression ist die Belohnung für’s brav sein”
“Depression als Belohnung.”
Wenn wir unsere Bedürfnisse nicht ernst nehmen, tun es andere auch nicht. Grenzen zu setzen und für unsere Bedürfnisse einzustehen ist aber wichtig, wenn wir gesund bleiben wollen.
Was passiert, wenn wir immer wieder über unsere eigenen Grenzen gehen, um es anderen Recht zu machen? Was passiert, wenn wir der Erfüllung oder auch dem Wahrnehmen unser eigenen Bedürfnisse im Weg stehen? Persönlich finde ich mich oft im “People Pleasing” - Modus wieder. Ich tue und mache viel, um Konflikte zu vermeiden und Harmonie zu wahren. Hauptsache, niemand ist sauer auf mich. Hauptsache, ich werde gemocht. Hauptsache, ich bin akzeptiert und …brav.
Letztes Jahr im Herbst habe ich dann an einem Wut-Seminar teilgenommen. Dieses Seminar hat mir durch Theorie und Übungen gezeigt, wie wichtig es für mich ist, meiner Wut Raum zu geben. Denn Wut ist ein wunderbarer Wegweiser. Wenn ich wütend bin, kann ich mich auf die Suche begeben. Was stimmt hier gerade für mich nicht? Welches Bedürfnis kommt zu kurz? Das Erkennen und Wahrnehmen meiner eigenen Bedürfnisse ist für mich der erste Schritt - und dabei hilft mir die GFK. Ich will weiterhin freundlich sein, keine Frage. Aber vielleicht ein bisschen weniger brav und angepasst, vor allem wenn es um das Wahren meiner Grenzen geht. Es ist eines meiner liebsten Marshall Rosenberg Zitate, auch, weil es so kraftvoll ist.
2: “Alles was wir tun ist ein Versuch, Bedürfnisse zu erfüllen”
Oder anders übersetzt: “auch saublödes Verhalten hat gute Gründe.” Das ist der Standardspruch meiner Ausbilder:innen in der Mediations-Weiterbildung, die ich im Juni 2023 begonnen habe. Ist auch wichtig, wenn ich mir überlege, zu was Menschen in Konfliktsituationen so fähig sind.
Was sie damit meinen? Alles, was Menschen tun nimmt seinen Ursprung darin, dass sie sich ein wunderschönes Bedürfnis erfüllen wollen. Alles. Demnach ist der Mensch im Grunde gut. Irgendwie cool, oder?
3: “Willst du Recht haben oder glücklich sein?”
Recht haben, oder glücklich sein?
Beides geht nicht. Also, es geht in den seltensten Fällen. Dank der GFK schaffe ich es inzwischen manchmal während Diskussionen innezuhalten und zu überlegen: lohnt es sich gerade wirklich, hier weiterzudiskutieren? Geht es noch um die Sache, oder will ich Recht haben und verbeiße ich mich vielleicht gerade unnötigerweise?
Wenn ich genügend innere Kapazitäten habe um mir diese Fragen zu stellen, gelingt es mir dann manchmal, loszulassen. Es gibt so viele Konflikte, die durch einen tiefen Atemzug vermieden, oder zumindest deeskaliert werden können. Einfach, und wirkungsvoll.
Deshalb ist dies ist eines der Marshall Rosenberg Zitate, die es für mich am unkompliziertesten und direktesten auf den Punkt bringen.
4: “Was andere tun mag der Auslöser unserer Gefühle sein, aber niemals die Ursache”
“Du machst mich so wütend.” “Wenn du das [hier beliebiges, vom Sprechenden unerwünschtes Verhalten einfügen] machst, dann bin ich traurig.” Wenn x - dann y. Nachvollziehbar, und - wie ich finde - oft zu kurz gedacht. Denn: was andere tun kann Auslöser für Gefühle sein, aber nicht die Ursache.
Es ist nachvollziehbar, dass wir die Personen oder Umstände, die unsere Gefühle auslösen, stark im Blickfeld haben, wenn etwas passiert. Richtig spannend wird es aber erst, wenn wir uns ansehen, was eigentlich dahinter liegt. Welches Bedürfnis erfüllt, oder unerfüllt ist, was dann zu positiven oder negativ empfundenen Gefühlen führt.
Gefühle wollen gefühlt werden.
Und was passiert, wenn wir fühlen? Welche Wahlmöglichkeit haben wir, sollte das Gefühl ein unangenehmes sein? Echte Gefühle ziehen, wenn wir sie da lassen, in ihrer eigenen Zeit wieder vorbei. Wenn wir uns aber ständig ablenken und sie wegdrücken, werden sie wahrscheinlich umso stärker.
Unangenehme Gefühle zu haben bedeutet nicht, dass mit uns etwas nicht stimmt. Sie gehören zum Leben dazu. Anstrengend wird es erst, wenn wir uns dagegen wehren. Atmen, fühlen, loslassen. Und nachsichtig mit uns selbst sein, wenn das nicht immer gelingt.
5: “Everything worth doing is worth doing poorly”
An dieses Goldstück der Marshall Rosenberg Zitate hat mich meine Mentorin Nayoma de Haen erinnert, als ich kurz vor meinem ersten GFK-Workshop stand. Just do it. Einfach anfangen. In Marshall’s Worten: Alles was es wert ist, getan zu werden, kann man zu anfangs auch “schlecht” machen. Hauptsache, man fängt an.
Mit dieser Haltung verbunden war es für mich tatsächlich einfacher, den ersten Workshop zu bewältigen. Und auch wenn mich mein Perfektionismus befällt, denke ich gerne an dieses Zitat.
6: “Menschen machen uns nicht wütend. Wir machen uns selbst wütend, durch unsere Art zu denken”
Der Unterschied zwischen Beobachtung und Bewertung ist der erste Schritt in der GFK. Was ist tatsächlich passiert, was hätte eine Videokamera einfangen können? Oder auch: was steht tatsächlich in der Whatsapp-Nachricht, die ich gerade bekommen habe? Und welche Geschichte erzähle ich mir darüber?
In der Theorie weiß ich das alles, und gleichzeitig fällt es mir oft schwer, genau diesen ersten Schritt in meinem Alltag anzuwenden. Ich lese eine Nachricht und bevor ich es überhaupt bemerke, habe ich mir schon 10 Geschichten darüber erzählt. Je nachdem, wie mein Stresslevel und meine Stimmung ist, fallen die Geschichten positiv oder negativ für mein Gegenüber aus. Dann werde ich wütend oder traurig. Und all das passiert in meinem Kopf, von allein, blitzschnell. Aha: es ist nicht mein Gegenüber, das mich wütend macht; das bin ich selbst - durch meine Art zu denken. Es ist eines der Marshall Rosenberg Zitate die für mich sehr einleuchtend sind.
Was hilft mir, aus der Dynamik des mir-selbst-Geschichten-erzählens auszusteigen? Einen tiefen Atemzug nehmen. Kurz etwas anderes tun, z.B. eine kleine Runde rausgehen, oder joggen, um den Kopf frei zu bekommen. Nochmal tief durchatmen. Wenn ich mich beherrschen kann, nicht im Affekt antworten. Mit dem so gewonnene Abstand in ein paar Minuten oder Stunden nochmal auf die Nachricht blicken, und überlegen: was steht da eigentlich? Wie interpretiere ich es gerade? Und welche (gute) Geschichte könnte ich mir noch erzählen?
7: “Wut ist ein Weckruf für unerfüllte Bedürfnisse”
Gefühle sind weder gut noch schlecht. Sie sind Wegweiser, die uns zeigen, was wir gerade brauchen oder was uns fehlt. Gleichzeitig kann es verlockend sein, Gefühle in Schubladen zu stecken. Freude? Gutes Gefühl. Wut? Schlechtes Gefühl. Schnell ablenken.
Wir sind dazu erzogen worden, Dinge zu bewerten, einzuordnen und klare Label für die Komplexität des Lebens zu finden. Unser blitzschnelles Bewerten hilft auch oft ganz wunderbar, die Kompliziertheit des Alltags zu reduzieren.
Gut/schlecht, angenehm/unangenehm, will ich/will ich nicht. Bei Gefühlen allerdings tun wir uns selbst einen Gefallen, wenn wir sie nicht einordnen, oder gar gegen sie wehren. Die Gefahr beim dagegen ankämpfen ist, dass sie kurzzeitig Ruhe geben und dann mit Nachdruck wiederkommen.
Was mir bei schwierigen Gefühlen hilft, ist mir eine bestimmte Zeit abzustecken und die Gefühle in diesem Rahmen bewusst zu fühlen. Wo spüre ich das Gefühl im Körper, vielleicht auch: welche Farbe hat es, welche Textur, wo im Körper ist es?
Ich möchte Gefühle mehr als Wegweiser verstehen und weniger als Störfaktor. Und ich will lernen, mich für die Informationen, die meine Gefühle für mich bereithalten zu bedanken. Das Schöne daran ist, dass wir jeden Tag Anlass zum Üben finden können, wenn wir es denn wollen. Und Marshall Rosenberg Zitate helfen mir dabei, mich daran zu erinnern.
8: “Wenn sich zwei Menschen verstehen, ist das ein Glücksfall”
Dieses Marshall Rosenberg Zitat bringt auf den Punkt, dass in jeglicher Kommunikation viel Potential für Missverständnisse steckt. Das ist einach so. Wenn sich Menschen auf Anhieb so verstehen, wie es tatsächlich gemeint, war, dann ist das ein Glücksfall. Oft braucht es aber mehrere Schleifen, bis wir uns sicher sein können, dass das, was der Sender senden WOLLTE auch wirklich beim Empfänger angekommen ist. Verständigungsbitten (“Was hast du gerade verstanden, was ist bei dir angekommen?”) und Beziehungsbitten (“Wie geht’s dir mit dem, was du gerade gehört hast?) können hier helfen.
Daraus leitet sich für mich ein wichtiger Grundsatz ab: Keine Beziehungsklärung über digitale Medien!
Ich hatte letztens einen Mini-Konflikt mit einer guten Freundin. Basierend auf einem Missverständnis. Wir hätten die Sache innerhalb einer Minute klären können, wenn sie mich direkt in dem Moment darauf angesprochen hätte. Wir hätten darüber gelacht, uns vielleicht kurz umarmt, und die Sache wäre abgehakt gewesen. Was ist stattdessen passiert? Sie verließ die Party und schrieb mir später eine Nachricht.*
*kleiner Disclaimer: ich verstehe das Verhalten sehr gut, wenn ich von etwas getriggert bin, habe ich auch oft keine Kapazitäten, mich der Sache direkt anzunehmen. Nachvollziehbar für mich also, und gleichzeitig nicht die effektivste Strategie, um Konflikte effizient zu klären.
Der Chatverlauf war (gekürzt) wie folgt :
Sie: “Ich habe mich nicht wohlgefühlt”
Ich: “Oje. Was war los? Warum bist du eigentlich plötzlich gegangen? Wegen mir?”
Sie: “Du hast mir die kalte Schulter gezeigt”
Ich: “Lass uns darüber reden, wann hast du Zeit?”
Hier habe ich versucht, die Klärung “in’s echte Leben” zu verlagern, deshalb bat ich um ein Treffen, oder zumindest ein Telefonat. Mit Fragen oder Reaktionen wie “Wie, was meinst du, kalte Schulter? Das stimmt doch gar nicht!!?” hätte ich den Mini-Konflikt wahrscheinlich weiter eskalieren lassen.
Also → wann immer es möglich ist, versuche ich Konflikte direkt in Person zu klären. Das erhöht die Chance, dass wir dem Glücksfall des Einander-Verstehens systematisch näher kommen.
09: “Intellektuelles Verstehen blockiert Empathie”
Wir leben in einer Welt, die stark von Logik und Rationalität geprägt ist. Alles muss Sinn ergeben, alles wollen wir mit unserem Verstand durchdringen. Doch genau darin liegt oft der Grund, dass uns Empathie - also ein "Mit-Fühlen" und "Mit-Schwingen" mit unserem Gegenüber schwerfällt.
Rosenbergs Aussage „Intellektuelles Verstehen blockiert Empathie“ trifft einen empfindlichen Punkt: Um empathisch sein zu können, müssen wir bereit sein, den analytischen Verstand - zumindest kurz - ruhen zu lassen.
Spüre, welche Gefühle bei dir und deinem Gegenüber aufkommen – ohne sofort nach Lösungen zu suchen. Wenn du das nächste Mal in einem Gespräch merkst, dass eine Distanz entsteht, versuche bewusst, zunächst einmal nur zuzuhören. Du wirst merken, dass genau dann eine tiefere Verbindung entstehen kann.
⬇️ mehr folgt bald