Mediation 101

Im Juli 2023 hat meine 1-jährige berufsbegleitende Ausbildung zur Mediatorin bei Inmedio angefangen. Normalerweise schreibe ich mir meine Gedanken auf meinem iPad für mich zusammen - gleichzeitig finde ich es schade, dass meine Erkenntnisse dann oft für sich bleiben und ich mich selten darüber unterhalte. Das will ich ändern, deshalb hier die Rubrik news. Bei Fragen, Anregungen, eigenen Gedanken nutzt gern die Kommentar-Spalte!

💡1: Verstehen heißt nicht Einverstanden sein.

Viele Konflikte existieren, weil wir nicht mit unserem Gegenüber einverstanden sein wollen. Ich habe festgestellt, dass ein großer innerer Freiraum entsteht, wenn ich mir die Erlaubnis gebe, meinen Gegenüber zu verstehen - ohne einverstanden zu sein. Was ich damit meine?

Wenn ich jemanden verstehe, kann ich die Beweggründe dieser Person nachvollziehen. Ich sehe und verstehe die guten Gründe, die die Person motiviert haben, etwas zu tun. Gleichzeitig bedeutet das nicht, dass ich die Handlungen der Person gutheißen muss. Mit der Handlung an sich muss ich nicht einverstanden sein. Zu erkennen, dass dies zwei völlig unterschiedliche Paar Schuhe sind, hat mein Leben schon einige Male bereichert. “Ich verstehe dich, und ich bin nicht einverstanden”. Im Englischen würde man vielleicht sagen: “Agree to disagree.”

💡2: Auch saublödes Verhalten hat gute Gründe.

Manchmal tun Menschen blöde Dinge. Die Mediations-Ausbildung hilft mir dabei, angelehnt an die GFK, die “guten Gründe hinter saublödem Verhalten” zu entdecken. Es ist spannend, die Bedürfnis-Ebene auch in der Mediation zu erforschen. Denn alles, was wir tun, ist durch Bedürfnisse motiviert. Alles. Radikal zuende gedacht ist der Mensch also im Grunde gut. Und genau dieses Menschenbild, diese “Konsequent Postive Unterstellung” schätze ich so an der GFK.

💡3: Die Lernspirale - im Happyland ist es bequem

Die Lernspirale in Wachstumsprozessen

Ziemlich am Anfang der Ausbildung wurde uns die Lernspirale präsentiert. In jedem Lern- und Wachstumsprozess durchlaufen wir vier Stufen:

  1. die unbewusste Inkompetenz (Happyland)

  2. die bewusste Inkompetenz (Aua)

  3. die bewusste Kompetenz (anstrengend)

  4. die unbewusste Kompetenz (Flow)

Die unbewusste Inkompetenz ist so bequem, da wir noch nicht wissen, oder nicht wahrhaben wollen, dass wir etwas nicht können. Es ist ein bisschen wie der Vogel Strauß, der seinen Kopf in den Sand steckt.

Wenn uns dann bewusst wird, z.B. durch eine Weiterbildung, dass wir etwas nicht können, sind wir in der bewussten Inkompetenz angelangt. Wir wissen, dass wir etwas nicht können. Das tut dann erstmal weh. Um von dort in die bewusste Kompetenz zu kommen bedarf es viel Übung und im besten Fall auch Fehlerfreundlichkeit.

In der bewussten Kompetenz haben wir Grundkenntnisse der gewünschten Fähigkeit, aber es strengt uns noch an. Es kostet uns Kraft und Fokus, die Kompetenz auszuleben.

Irgendwann - vorausgesetzt wir bleiben dran - rutschen wir dann wie von alleine in die unbewusste Kompetenz. Hier geht es uns prima, wir befinden uns im Flow, wir haben die gewünschte Fähigkeit so integriert, dass wir garnicht mehr darüber nachdenken müssen.

Das war’s? Schön wär’s, aber bei genauerer Betrachtung der Grafik (s.o.) wird ersichtlich, dass die unbewusste Kompetenz unweigerlich in der nächsten bewussten Inkompetenz mündet. Das Spiel geht also ständig weiter - mir hilft da eine Prise Humor und Menschen, die den Weg mit mir teilen. 🌀

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